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2012/04/14 von Marilou Lavallée

Marilou Nº 5: "Yoga"

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Marilou hat in Arizona einen Lehrgang zur Yogalehrerin gemacht und erzählt, wie es ihre Einstellung zum Leben als professionelle Kiteboarderin beeinflusst hat.

Ich glaube, das Leben ist dazu da, um herumzuexperimentieren. Ich mache schon seit Jahren Yoga - mal mehr, mal weniger - und habe mich erst vor kurzem entschieden diesen Yoga-Pfad etwas intensiver auszukundschaften. Deswegen bin ich nach Arizona in die Vereinigten Staaten geflogen - genau genommen in eine kleine Stadt namens Sedona -, um dort einen Lehrgang zu machen.

Ich hab diesen Ort ganz bewusst ausgesucht, weil die Gegend ganz anders ist als sonst in unserer Kiteszene üblich. Das Klima ist sehr trocken und weit und breit befindet sich kein Wasser, denn schließlich befindet man sich mitten in der Wüste, umringt von viele Bergen, in der Nähe von Las Vegas und dem berühmten Grand Canyon.

Nach diesem einmonatigem Kurs, der endlose Stunden des Übens von Yoga-Haltungen, viele Vorträge, Ayurveda Kurse (Ayurveda ist eine alte Heilkunst, die in Indien nach wie vor sehr populär ist), Meditationen und körperliche Reinigung umfasst, erhält man seine Akkreditierung als Yoga Lehrerin. Da der Aufbau des Lehrgangs sehr straff war (von 4:30 am Morgen bis 20:30 am Abend), forderte er sehr viel Selbstdisziplin.

Ich könnte endlos viele Sachen von dieser Reise erzählen, aber Fakt ist, es hat sich für mich mehr als gelohnt!

Die größte Lehre, die ich daraus gezogen habe, ist folgende: lebe im Augenblick! Sei immer im Hier und Jetzt bei deinen Entscheidungen. Halte die Balance aus Körper, Geist und Seele. Auch bewusstes Herumexperimentieren mit der Atmung kann große Einflüsse haben.
Man kann viel mehr erreichen, wenn man weniger auf seinen Kopf hört - gerade das stellt sich sogar als ziemlich praktisch heraus!

Ich erzähle das alles, weil ich glaube, dass es, wenn ich diesen Pfad weiter verfolge, einen direkten Einfluss auf mein Leben und die Art und Weise wie ich kitesurfe bzw. kitesurfen kann haben wird. Ich hatte schon einige Verletzungen und bei jedem Unfall war ich nicht fokussiert und nicht konzentiert genug.

Mit der Hilfe unserer Lehrer haben wir Yoga-Übungen gemacht, von denen ich vorher gedacht hab, dass ich sie niemals schaffen könnte. Wir durften uns nicht bewegen und alles tat weh. Zuerst sagte mir mein Kopf „Das ist sooowas von langweilig!“, später dann „Du solltest einfach aufhören.“ oder „Es merkt sicher niemand, wenn du dich heimlich bewegst.“, bis er schließlich nur noch sagte „Ich bin müde, alles tut weh, ich kann nicht mehr!“.

Am Ende der Übung merkt man dann aber, dass es überhaupt nicht „zu viel“ für den eigenen Körper war. Der Schmerz ist schnell verflogen und das einzige, was verrückt gespielt hat, war dein Kopf... der Körper kann viel, viel mehr als das, was der Kopf einem sagt!
Die eigentliche Aufgabe war es zu lernen, den Kopf abzuschalten und ganz bewusst zu atmen, was einen vor Verletzungen schützt.

Auch beim Kitesurfen hat mein Kopf mir Streiche gespielt. „Tue es einfach, klappt schon!“...

Ich kann mich glücklich schätzen Teil des CORE Teams zu sein, in dem kein Druck auf mir lastet. Ich bin die Einzige, die mich antreibt, niemals die Jungs. Über all die Jahre habe ich viel von ihnen gelernt, insbesondere von Beany, wenn es darum geht, auf dem Wasser ausgeglichen zu sein.
Ja, richtig gehört, von Beany, dem verrückte Kitelooper. Ich hab über die Jahre so viele tolle Tipps von ihm bekommen, hätte ich sie nur eher richtig verstanden! 

Nach all meinen Knieverletzungen und dieser wirklich intensiven Yoga Erfahrung, verstehe ich erst, wie er diese verrückten Kiteloops machen kann und nach wie vor in einem Stück ist. Wenn man sich in Ruhe anschaut, wie er es anstellt, fällt auf, dass er immer fokussiert ist: davor, währenddessen und danach. Nicht selten sieht man ihn vor einer Kite- oder Fotosession meditieren.

Beobachtet ihn und ihr werdet nicht nur lernen, wie man kitesurft und diese verrückten Kiteloops macht, sondern auch wie man im Augenblick lebt. Das ist der Schlüssel dazu ein besseres Leben zu leben und ein besserer Kitesurfer zu sein. Das muss ich mir wirklich hinter die Ohren schreiben, denn oftmals vergesse ich es und gehe Dinge dann zu verbissen an.

Dadurch, dass man während seiner Session nicht abgelenkt ist, sondern im Hier und Jetzt ist, schafft man tatsächlich mehr. Hört darauf, was euer Körper und Geist euch sagen und spürt die Unterschiede zwischen beidem auf, um zu wissen, wie ihr euch entscheiden müsst. Die Erfahrung ist mein Lehrer geworden.

Und jetzt schaue ich aus dem Fenster und sehe all die bunten Blumen, ich höre die Vögel und die Affen im Baum neben dem Haus und habe von hier oben auf dem Berg einen unglaublichen Ausblick auf die Playa Venao Bucht mit ihren beständigen Wellen. Nicht vergessen sollte ich den Offshore Wind, der mich schon seit einiger Zeit ruft!

Es ist an der Zeit die Straße herunter zu gehen und zu schauen, ob dieser Spot auch eine neue Erfahrung wert ist. Dieses Paradies, dass ich für ein paar Wochen mein zu Hause nennen darf, heißt Panama. Danke liebes Universum! Alles fühlt sich perfekt an!

xoxo

Marilou :)

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